Der Erste Freie Tierschutzverein Leipzig und Umgebung e.V., Träger des Tierheims Leipzig, sieht sich aktuell in sozialen Medien mit schweren Vorwürfen konfrontiert, die wir als ehrenamtlich arbeitender Vorstand und im Namen unserer Mitarbeiter im Tierheim nicht unkommentiert lassen können.

Unter den Verfassern sind ehemalige Vereinsmitglieder, die aus unserer Sicht zu Recht für das Gassigehen gesperrt wurden, da sie gegen geltende Regeln und Vereinbarungen zum Schutz der Hunde verstoßen hatten. Die Kritik geht mittlerweile über die reine Meinungsäußerung weit hinaus. Sie hat nun ein Ausmaß erreicht, bei dem auch vor Morddrohungen gegenüber unseren Mitarbeitern nicht zurückgeschreckt wird. Wir sehen daher die Notwendigkeit, auf einzelne Vorwürfe konkret inhaltlich einzugehen und eine Gegendarstellung zu verfassen.

  1. Die Eignung und Rechtskonformität der Hundeanlagen des Tierheims Leipzig wird grundsätzlich in Frage gestellt.

Das Tierheim in Leipzig, d.h. das Grundstück und die Gebäude, gehören der Stadt Leipzig. Es wird an den Tierschutzverein vermietet. Bauherr war das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt Leipzig, welches das Tierheim nach den gültigen rechtlichen Rahmenbedingungen erbauen ließ. Das Tierheim verfügt über eine Betriebserlaubnis nach § 11 TierSchG. Regelmäßig finden unangekündigte Kontrollen durch die zuständige Behörde statt.

Wir als Tierschutzverein unterstützen, dass Haltungsbedingungen weiterentwickelt werden. Wir legen dabei den Fokus nicht nur auf die Hundehaltung in unserem Tierheim, sondern z.B. auch auf die Haltung von Heimtieren wie Kaninchen und Meerschweinchen in Privathaushalten, die noch viel zu oft in zu kleinen Käfigen gehalten werden. Weiterhin sehen wir großen Aufklärungsbedarf in Bezug auf die Haltungsbedingungen von Exoten, die wir vermehrt in unserem Tierheim unterbringen müssen, da überforderte Besitzer die Tiere aussetzen oder illegal halten.

Wir sind stetig dabei, die Haltungsbedingungen unserer Schützlinge zu verbessern. Es gehört aber auch zur Realität, dass ein Tierheim auf Grundlage seiner Eigenschaft als vorübergehende Unterbringung in Bezug auf die Haltungsbedingungen immer einen Kompromiss darstellt. Allein die steigenden Aufnahmezahlen von einzelnen Tierarten macht dies deutlich. Wir befinden uns hiermit leider am Ende eines Problemfeldes, welches häufig bei den ehemaligen Haltern der Tiere beginnt.

Es konnte dennoch seit der Errichtung des Tierheimes vieles verbessert werden: So war das Tierheim mit anfänglich nur einem Hundeauslauf und hinsichtlich der Grundfläche und Ausgestaltung der Hundezwinger nicht für eine Gruppenhaltung konzipiert. Durch die Schaffung weiterer Auslaufflächen konnten wir den Hunden mehr Möglichkeiten der Bewegung und Gelegenheit für sozialen Kontakt mit Artgenossen bieten. Dabei sind auch Belange der öffentlichen  Sicherheit zu wahren. Da wir in den letzten Jahren vermehrt Hunde im Tierheim aufnehmen müssen, die durch schlechte Haltungsbedingungen oder mangelnde Sozialisierung nicht in Gruppen gehalten werden können und/oder durch ihr Verhalten eine Gefahr für im Umgang unerfahrene Personen darstellen können, sind wir hier an entsprechende behördliche Auflagen gebunden.

Da die Gebäude nicht dem Tierschutzverein gehören, sind wir bei der baulichen Gestaltung immer auch vom Willen der Stadt und der zuständigen Behörde abhängig. Wir können keine Veränderungen ohne die Zustimmung der Eigentümer umsetzen. Hinzu kommt, dass bauliche Projekte i.d.R. mit hohen Investitionskosten verbunden sind, die wir als Tierschutzverein nicht tragen können. Unsere Bemühungen der Verbesserung der Haltung für alle Tierheimbewohner zeigen sich in diversen Projekten, die wir in den letzten Jahren auch mit Hilfe von Zuschüssen und der Beratung von Fachleuten von Universitäten und dem Deutschen Tierschutzbund umgesetzt haben.

Hiervon können Sie sich bei einem Besuch im Tierheim zu den Öffnungszeiten jederzeit überzeugen.

  1. Der Vorwurf der wiederholten verhaltensbedingten Euthanasie von Hunden

Eine verhaltensbedingte Euthanasie setzt nach den Leitlinien des Tierschutzvereins sowie nach der Tierheimordnung des Deutschen Tierschutzbundes, unseres Dachverbands, einen Beschluss der sogenannten Ethikkommission voraus, die aus einem amtlichen Tierarzt, einem Ordnungsamtsvertreter, dem behandelnden Tierarzt, dem betreuendem Tierpfleger und dem Geschäftsführer besteht. Bevor eine Euthanasie in Betracht gezogen wird, erfolgen umfangreiche tiermedizinische Untersuchungen, um organische Ursachen auszuschließen. Anschließend werden verhaltenstherapeutische Maßnahmen ergriffen, die mit fachlich kompetenten Hundetrainer*innen umgesetzt werden. Erst wenn diese Maßnahmen nicht zum Erfolg führen und eine Weiterleben des Hundes mit für ihn erheblichen Leiden oder Schmerzen verbunden ist, ziehen wir eine Euthanasie in Betracht. In der Regel wird zusätzlich ein Gutachten durch einen Sachverständigen für das Hundewesen in Auftrag gegeben.

Die Dokumentationen dieser Fälle werden 10 Jahre aufbewahrt. Somit ist lückenlos jeder Fall nachvollziehbar. Seit 2008 mussten insgesamt 10 Hunde euthanasiert werden – bei einer Aufnahmezahl von insgesamt rund 4.500 Hunden in diesem Zeitraum.

Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den beiden angeführten Vorwürfen war uns wichtig, da wir sie als schwerwiegend empfinden. Wir versichern insofern, dass kein Tier bei uns wegen schlechter Vermittlungschancen euthanasiert werden wird! Die Vermittlung an die richtige Person ist oft nicht einfach, da unser Hundebestand sich zum Großteil aus älteren und kranken Hunden sowie ordnungsrechtlichen Einweisungen aufgrund von Beißvorfällen zusammensetzt. Trotz dieser Tatsache, konnten wir für einen Großteil unserer Schützlinge ein gutes neues Zuhause finden und die Vermittlungszahlen auf einem gleichbleibenden Niveau halten. Um den Tieren eine erneute Abgabe im Tierheim zu ersparen, prüfen wir intensiv, ob die neuen Haltungsbedingungen geeignet erscheinen. Im Zentrum unserer Bemühungen steht das Wohl der Tiere. Dies kann in Einzelfällen dazu führen, dass wir von einer Vermittlung an einen Interessenten Abstand nehmen müssen.

Außerdem versuchen wir den uns anvertrauten Tieren eine bestmögliche tiermedizinische Betreuung zur Verfügung zu stellen. Die jährlichen Gesamtausgaben für Tierarztkosten belaufen sich aktuell auf über 100.000€ Netto jährlich.

Über alle Vorgänge und Tiere wird eine umfangreiche Dokumentation geführt, so dass z.B. über tierärztliche Behandlungen, Einschätzungen zum Verhalten und die Vermittlungsversuche Nachweise vorliegen. Dass diese Daten nur den zuständigen Kontrollbehörden und Personen mit berechtigtem Interesse zur Verfügung gestellt werden können, ist wie auch in anderen Bereichen selbstverständlich.

Wir wissen um die Problemstellungen bei den Unterbringungsmöglichkeiten und sind kontinuierlich dabei, diese im Rahmen unserer Möglichkeiten zu beseitigen. Hierbei werden wir vom Deutschen Tierschutzbund e.V, unserem Dachverband, unterstützt.  Den permanenten auch neuen Herausforderungen, wie z.B. die Unterbringung einer Vielzahl von Exoten, begegnen wir und unsere Mitarbeiter täglich mit größtem Engagement. Mit dem Wissen was unsere Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer leisten, erscheinen die ungerechtfertigten Vorwürfe nur schwer erträglich. Wir werden, trotz der Bemühungen sich sachlich mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen, die Urheber vermutlich nicht von weiteren Versuchen abbringen können, uns zu diskreditieren. Deshalb setzen wir auf Transparenz und Ihre Unterstützung den Tierschutz in Leipzig und Umgebung voranzubringen. Engagieren Sie sich und machen Sie sich ein eigenes Bild von der Situation vor Ort.